Berlinseminar 2010 des BRH Baden-Württemberg

vom 19 bis 24.Juli 2010

 

Auch in diesem Jahr führte der BRH Baden-Württemberg unter der bewährten Leitung des Kollegen Lothar Reimann ein Berlinseminar durch.

Nicht mit dem ICE wie in den vergangenen Jahren, sondern mit einem bequemen Bus steuerten wir am Montag die Bundeshauptstadt an.

26 Teilnehmer waren neugierig, was sie in den nächsten Tagen in Berlin erwartet.

 

Die Außentemperatur von ca.35 Grad Celsius war im klimatisierten Bus nicht zu spüren, umso mehr bei der Ankunft im Hotel. Aber wir wurden für unsere Geduld und Ausdauer entschädigt. Ein reichhaltiges Buffet erwartete uns und gut ausgestattete Hotelzimmer sorgten für Erholung und neue Kraft für die kommenden Tage.

 

Eine historische Stadtrundfahrt unter der Führung von Herrn Klebba gab einen Überblick über das alte und das neue Berlin, den Osten und den Westen. Immer wieder wurden wir an die Teilung von Berlin nach Ende des Krieges erinnert.

Leider musste der Besuch des Reichstagsgebäudes mit der Besichtigung der Kuppel ausfallen, da zum Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler durch Graf Stauffenberg (20.Juli) ein Gelöbnis der Bundeswehr vor dem Gebäude abgehalten wurde und der Platz ganztägig aus Sicherheitsgründen abgesperrt war. Schade, aber einige Teilnehmer haben es in den folgenden Tagen nach stundenlangem Anstehen in der brütenden Hitze doch noch in den Reichstag geschafft.

 

Wer im Schloss Bellevue residiert, der sollte dort wie ein König wohnen.

Die Außenansicht des Schlosses und der Schlosspark mit seinen gepflegten Rasenflächen und alten Bäumen (aber weit und breit keine Blumen) waren schon königlich, aber die Innenausstattung, vor allem das Arbeitszimmer des Bundespräsidenten, war schlicht und einfach. Ein Schreibtisch, eine Bücherwand im Hintergrund, ein Besuchertisch mit Stühlen und die Bundesfahne in der Ecke war die ganze Repräsentation. Ganz versteckt im Hintergrund war noch ein modern eingerichtetes Arbeitszimmer zu vermuten, das wir nicht zu sehen bekamen.

 

Das vor einigen Jahren neben dem Schloss erbaute Bundespräsidialamt. Das wir nach ausgiebiger Sicherheitskontrolle auch besichtigen durften, arbeitet mit moderner Technik für die Belange des Bundespräsidenten.

Seit Bundespräsident Carstens hat kein Staatsoberhaupt mehr hier gewohnt, sondern eine Villa in Berlin – Dahlem als Wohnsitz bevorzugt.

 

Die Kahnfahrt durch den Spreewald war eines der vielen „High Lights“ des ganzen Seminars werden. In Lübbenau erwarteten  uns zwei Kähne, die von zwei Fährfrauen in Original-Spreewaldtracht bedient wurden. Die Hitze des Tages war vergessen. Unser Kahn wurde im Schatten der Pappel- und Weidenbäume ruhig und sicher von den Fährfrauen gesteuert, die uns ab und zu die nötigen Erläuterungen gaben. Ruhe lag über der Spree, kein Mobiltelefon störte die himmlische Ruhe, nur immer wieder begegneten wir anderen Ausflüglern in Paddelbooten.

So schön ruhig und gelassen muss es sicher in der vormobilisierten Welt gewesen sein. Aber auch der Spreewald kommt ohne Geschäfte nicht aus. Immer wieder begegneten wir Spreewäldern, die am Ufer ihre heimischen Erzeugnisse wie Honig, Früchte und wen wundert’s, echte Spreewaldgurken anboten. Ein Schmalzbrot mit Gurken schmeckte hervorragend in dieser Umgebung.

 

Die Einkehr in der Spreewaldgaststätte in Wotschofska stärkte uns mit einem vorzüglichen Mittagessen für die Weiterfahrt am Nachmittag. Wieder fuhren wir durch die Stille des  Spreewalds, ein Balsam für die Seele des „vielbeschäftigten“ Ruheständlers. So manches erfuhren wir von unseren „eifrig ruderten  Spreewaldfrauen“ über die Kultur der Sorben, die seit Jahrhunderten hier ansässig sind. Sie hoffen, dass die jüngere Generation ihre Tradition bewahrt und so als Volksgruppe überleben kann.

Die Berliner Innenstadt hat viele traditionelle Gaststätten. Eine, die „Mutter Hoppe“, besuchten wir am Abend. Nach einem reichlichen Abendessen machten wir uns mit der U - Bahn auf zum Tierpark, müde aber froh gestimmt.

 

Sanssouci, das Schloss Friedrich des Großen. Auch für uns „ohne Sorgen“, denn unser Bus brachte uns mit dem bewährten Fahrer Nicola bis zur bekannten Windmühle vor dem Schloss, die durch die rechtlichen Auseinandersetzungen vor dem Kammergericht zwischen Windmüller und dem König bekannt wurde.

Ein versierter junger Historiker führte uns durch die Räume, die prachtvoll mit Stuckdekorationen, Täfelungen und wertvollen Gobelins ausgestattet sind.

Hier trafen sich im 18.Jahrhundert bedeutende Männer (keine Frauen!) wie Voltaire

mit dem König, der sie oft mit eigenen Kompositionen auf der Querflöte unterhielt.

Über die sechs geschwungenen Terrassen ging es am Springbrunnen vorbei.

 

Dieser Brunnen sollte die höchste Fontaine der damaligen Zeit mit einer extra angefertigten gerade erfundenen Dampfmaschine erreichen. Leider funktionierte sie nicht, sodass es erst der heutigen Technik mit E-Motor vorbehalten blieb, das Wasserspiel wie vorgesehen zu betreiben. Durch die Parkanlagen ging es vorbei am chinesischen Teehaus, deren Mandaringestalten europäische Gesichtszüge tragen.

 

Der Nachmittag war dem Rundgang durch Schloss Cecilienhof vorbehalten. Hier wurden im Juli 1945 auf der sog. Potsdamer Konferenz durch die  Alliierten wichtige Beschlüsse über das weitere Schicksal Deutschlands verhandelt. Für uns Ältere und teilweise noch Zeitzeugen manchmal etwas beklemmend, vor allem durch den Eindruck, dass der „smarte“ Führer alles besser wusste und auf Fragen von uns nur auf das Nachlesen im Internet verwies.

Aber was ist ein Berlinaufenthalt ohne den Besuch in einer echten Berliner Kneipe. Kenner der Berlinseminare wussten, dass der “Bären“ hinter dem Hotel eine solche Atmosphäre ausstrahlt.

Hier saß am Abend ein großer Teil der Gruppe in einem Biergarten beieinander. Einheimische Gerichte wurden angeboten und  Berliner Bierspezialitäten getrunken.

Am Nachbartisch saßen Bewohner der nahen Plattenbauten, der Duft polnischer Zigaretten wehte herüber und eine echte Atmosphäre kam auf. Wie immer bei solchen Reisen lernt man die Mitreisenden erst in den letzten Tagen kennen, eigentlich schade. Die Überraschung war beim Zahlen sehr groß. denn die Zeche war wesentlich niederer als erwartet. Auch das war Berlin, obwohl es im Zentrum genau umgekehrt war.

Die „Hackeschen Höfe“ standen am nächsten Tag auf dem Programm. Hier wurde ein Stück Alt Berlin liebevoll restauriert und sowohl Wohnungen wie auch Geschäfte und Gaststätten mit viel Stil gebaut. 

 

Wenn der Spreewald der Höhepunkt in der märkischen Landschaft war, so versetzte uns der Besuch im ägyptischen Museum auf der neu gestalteten Museumsinsel in eine Hochkultur der Vergangenheit.

Alle Teilnehmer waren beeindruckt vor der Fülle der Gegenstände, die hier zu sehen waren, kleine und große Skulpturen, Mumien und Statuen.

Wieder hatten wir Glück, denn ein Ägyptologe führte uns durch die Räume. Vieles längst Vergessenes aus der Schulzeit oder von Reisen an den Nil kam wieder in die Erinnerung.

 

Datei:Nofretete Neues Museum.jpgEin schlichter Saal war Nofretete gewidmet. Hier stand ihre berühmte Büste hinter einer Panzerglasscheibe. Sie muss schon eine Schönheit gewesen sein, denn ihre Gesichtszüge faszinieren uns auch heute noch. Still war es im Saal, niemand sprach ein Wort. Es war schon ein eigenartiges Gefühl, vor einem jahrtausend alten Kunstwerk zu stehen.

 

Dank abstatten müssen wir auch den Herren Klebba und Wesener vom Seminar Forum Berlin, die uns die ganze Woche begleitet und für unsere Fragen immer aufgeschlossen waren.

 

Am Samstag war Abreise. Die Hitze hatte nachgelassen. Auf der Fahrt  kamen immer wieder Regenschauer, sodass wir am späten Nachmittag wohlbehalten zu Hause ankamen.

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Ein solches Programm kann nur mit einem guten Reiseleiter reibungslos durchgeführt werden.

 

Neben dem Busfahrer Nicola, der uns immer wieder von Spaghetti und Makkaroni erzählte, sicher alle Absperrungen problemlos umfuhr, das Tempolimit und seine Ruhezeiten einhielt, war es vor allem

 

Lothar Reimann,

 

der vieles im Verborgenen organisierte, der sich von unseren Fragen nicht nerven ließ, der seine Ruhe bewahrte aber auch immer ein freundlicher und hilfsbereiter Kollege war.

Mit ihm zu reisen war ein Vergnügen, deshalb nochmals herzlichen Dank für die  gute Reiseleitung.

 

Was bleibt für mich persönlich:

 

Menschen kennen gelernt zu haben, die oftmals die gleichen Probleme haben wie man sie selbst hat, Menschen, mit denen man Meinungen austauschen, über die Vergangenheit diskutieren, aber auch Gegenwartsfragen erörtern konnte.

Dies habe ich mitgenommen. Leider ist es auch dieses mal wie bei anderen Reisen: wenn man mit Menschen gut in Kontakt gekommen ist und gute Gespräche geführt hat, ist alles wieder zu Ende.

 

Aber so ist es eben im Leben.

  

Autor:

Rudolf Hähnle.  Keplerstrasse 7   72202 Nagold